ASB Magazin
September 2025
10/20

Dennis Bergmann, ehrenamtlicher Wunscherfüller beim ASB-Wünschewagen, erfüllt Sterbenskranken letzte Wünsche

Seit zwei Jahren ist Dennis Bergmann (38) als Wunscherfüller Teil des ASB-Wünschewagen-Teams, begleitet Sterbende auf Wunschwegen. Für sein Engagement wurde der Berufsfeuerwehrmann und Notfallsanitäter vom Lions-Club Neustadt am Rübenberge als „Alltagsheld“ ausgezeichnet. Bergmann sieht in der Ehrung eine Chance, mehr Rettungsdienstler:innen auf das besondere Ehrenamt aufmerksam zu machen.


Text und Interview: Julia-Marie Meisenburg

ASB

Gab es einen letzten Wunsch, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Dennis Bergmann

Ja! Das war der Wunsch einer jungen Mutter, die am vierten Geburtstag ihres Sohnes mit ihm in den Tierpark fahren wollte. Sie war eigentlich gar nicht in der Lage, diesen Tag zu überstehen. Doch der Gedanke, für ihren Kleinen schöne Erinnerungen zu schaffen, hat ihr Kraft gegeben. In der Nacht nach der Fahrt ist sie gestorben.

ASB

Warum bist du Wunscherfüller geworden?

Dennis Bergmann

Ich kann meine Fachexpertise einbringen, um Menschen einen Tag zu schenken, wie sie ihn sich wünschen. Einen, bei dem sie ihre Krankheit noch einmal vergessen können. In meinem Berufsalltag bringt jeder Tag neue, unerwartete Situationen mit sich – Notfälle, keine Zeit, schlimme Erlebnisse für Patienten und Angehörige. Da ist die Wünschewagen-Arbeit anders: Ich habe endlich einmal Zeit für nur einen Menschen, kann auf dessen Bedürfnisse eingehen. Die Dankbarkeit, Freude und das Strahlen des Fahrgastes beflügeln einfach.

ASB

Ein letzter Wunsch geht in Erfüllung: Was bedeuten Wunschfahrten für die Fahrgäste und was für dich persönlich?

Dennis Bergmann

Für die Wünschenden ist es oft ein letztes großes Ziel, woran sie sich festhalten können und das ihnen noch einmal ein richtiges Hoch beschert. Sie können manchmal leichter loslassen, sobald dieser besondere Tag vorbei ist. Für mich ist es sehr besonders, daran beteiligt zu sein, dass sich ein Herzenswunsch erfüllt und so viel Freude im Raum ist. Gleichzeitig ist es auch traurig, zu wissen, dass dieser Mensch sich bald auf eine ganz andere Reise begeben muss.

ASB

Hat sich durch dein Engagement dein eigener Blick aufs Leben verändert?

Dennis Bergmann

Dass in den Wünschewagen wirklich alle Altersgruppen mit ihren Krankheiten einsteigen, hat mir gezeigt, dass ich jeden Tag genießen muss. Daher lautet mein Motto: „Lebe jeden Tag so, als könnte es dein letzter sein!“ Und so begleite ich auch die Fahrten: Ich setze alles in meiner Macht Stehende daran, dass es für den Gast der schönste Tag auf Erden wird.

ASB

Wunschfahrten sind oft emotional. Was ist deine Krafttankstelle, um engagiert zu bleiben?

Dennis Bergmann

Das ist meine Frau Anni! Auch sie ist Wunscherfüllerin und Notfallsanitäterin, kennt diese Situation genau. Sie ist für mich die beste Anlaufstelle, um meinen Gefühlen freien Lauf lassen zu können. Ob zum Reden, Tipps-Holen oder weil sie zuhört und mich im Arm hält.