Verantwortung in guter Hand
Die Arbeit der ehrenamtlichen Vorstände in Niedersachsen
Wer an den ASB denkt, verbindet ihn vor allem mit Hilfe in den unterschiedlichsten Lebenslagen: mit Rettungsdienst und Katastrophenschutz, mit Pflege und sozialer Unterstützung, mit Erster Hilfe. Möglich wird das durch viele engagierte Haupt- und Ehrenamtliche, die tagtäglich für andere da sind. Damit diese Arbeit langfristig gut organisiert und zukunftsfähig bleibt, braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen und den Verein auf Kurs halten: die ehrenamtlichen Vorstände der regionalen Gliederungen und des Landesverbandes. Sie treffen strategische Entscheidungen, sichern Ressourcen und schaffen Strukturen – immer mit dem Ziel, den Samariterinnen und Samaritern vor Ort den Rücken zu stärken.
Vorstandsarbeit bedeutet dabei weit mehr, als Sitzungen und Tagesordnungen abzuarbeiten: Neue Angebote aufbauen, Kooperationen mit Kommunen entwickeln, Finanzen im Blick behalten, Fördermittel sichern, politische Kontakte pflegen – all das gehört dazu. Die Vorstandsmitglieder beraten, gestalten und steuern ihre ganz persönlichen Stärken bei. „Auch im Vorstand zählt Teamarbeit – jede und jeder bringt eigene Erfahrungen ein, das macht uns stark“, betont Landesvorsitzender Johannes Gust. Der heute 46-Jährige wurde bereits als Student Mitglied im Vorstand des ASB in Osnabrück und ist zudem auch selbst im Katastrophenschutz aktiv.
Wie vielfältig dieses Ehrenamt ist, berichten Lorena Boy und Friedrich „Freddy“ Evers. Beide sind Vorsitzende eines Regional- bzw. Kreisverbandes, haben unterschiedliche Wege in den Vorstand gefunden und wissen, wie erfüllend und anspruchsvoll diese Aufgabe sein kann.
Lorena Boy hat hauptberuflich viel mit Büroarbeit, Politik und Rechtsangelegenheiten zu tun: All diese Themen spielen auch in ihrer Arbeit im Vorstand eine Rolle. „2018 befand sich der ASB Heidekreis gerade im Aufbau. Mein Mann Christian und ich wurden von einem Arbeitskollegen zum Mitmachen motiviert“, erzählt sie. Inzwischen ist sie Vorstandsvorsitzende des ASB-Regionalverbandes Südheide, der im Jahr 2023 aus der Zusammenlegung der Kreisverbände Celle und Heidekreis entstanden ist. „Ich war schon seit meiner Jugend ehrenamtlich im Katastrophenschutz tätig, musste aber aufgrund privater Umstände kürzertreten. Mit der Vorstandsarbeit habe ich dann eine neue Möglichkeit gefunden, mich ehrenamtlich zu engagieren.“ Der Katastrophen- und Bevölkerungsschutz hat nach wie vor einen hohen Stellenwert für Boy: „Gerade diese Kernaufgabe des ASB lebt vom Ehrenamt und ist insbesondere in der heutigen Zeit sehr relevant. Es muss Menschen geben, die im Kata-strophenfall nicht weg-, sondern zum Geschehen hinlaufen und denjenigen helfen, die sich nicht selbst helfen können.“ Ein weiterer Aspekt, der der 29-Jährigen am Herzen liegt: mehr Diversität. „Frauen und junge Menschen sind in Vorständen von Hilfsorganisationen meiner Wahrnehmung nach häufig noch unterrepräsentiert. Dabei bringt eine vielfältige Besetzung unterschiedliche Sichtweisen ein und fördert eine lebendige Diskussionskultur“, ist sie überzeugt.
Für viele Menschen im Landkreis Diepholz ist Freddy Evers längst „das Gesicht“ des ASB vor Ort – einer, der den Verband seit fast sechs Jahrzehnten kennt und entscheidend geprägt hat. Bei einem Erste-Hilfe-Kurs 1968 – damals noch in einer Gaststätte abgehalten – beeindruckten die Erzählungen des Ausbilders den erst 15-jährigen Freddy sehr. Rund ein Jahr später, nach seinem ersten Einsatz als Gastsanitäter beim Flugplatzrennen, trat er in den ASB-Kreisverband Diepholz ein. 1973 entschied er sich, einen Katastrophenschutzdienst als Wehrersatz zu leisten. 1974 wurde er in den Vorstand gewählt, war viele Jahre Schirmmeister sowie technischer Leiter und übernahm schließlich 2018 das Amt des ersten Vorsitzenden. Auch die Familie fand früh den Weg zum ASB: Seine Frau Birgitt trat 1976 ein, der Sohn wurde in der Jugendgruppe angemeldet. „Ab da hatten wir zwei gemeinsame Hobbys: Camping und den ASB“, erzählt Evers mit einem Lächeln. Später übernahm seine Frau sogar hauptamtliche Verantwortung im Verband. „Ich habe mich hier von Anfang an willkommen gefühlt“, sagt Evers rückblickend. Über die Zeit habe sich natürlich einiges verändert: „Früher war alles etwas unkomplizierter. Heute sind wir professioneller aufgestellt, mit größeren Strukturen, mehr Hauptamt und mehr gesetzlichen Vorgaben. Das ist gut, aber manchmal auch eine Herausforderung.“
Ein großes Thema ist mittlerweile auch die Nachwuchssuche: Menschen zu finden, die bereit sind, sich auch in verantwortungsvollere Ehrenamtsrollen einzubringen. Der 72-jährige Evers rät vor allem Jüngeren: „Versucht in eurem Leben zwischen Familie, Beruf und Freizeit Zeit für ehrenamtliches Engagement zu finden. Verantwortung zu übernehmen heißt, etwas für die Gemeinschaft zu tun. In dieser Hinsicht haben mich damals die Gründer des ASB Diepholz geprägt – sie waren mit viel Herzblut dabei, immer ansprechbar und haben mir gezeigt, wie wichtig und wertvoll diese Arbeit ist.“ „Wir brauchen Leute, die Lust haben, Dinge zu bewegen und Verantwortung zu übernehmen“, ergänzt Johannes Gust. „Mitglied eines Vorstandes zu sein heißt, den ASB voranzubringen und gleichzeitig Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Das ist Arbeit – aber es lohnt sich jeden Tag.“
Die Geschichten von Lorena Boy und Freddy Evers zeigen: Vorstandsarbeit ist kein abstraktes Gremium, sondern gelebtes Ehrenamt, das den ASB prägt und weiterentwickelt. Es kann he-rausfordernd sein, ist aber oft bereichernd und immer sinnstiftend. Johannes Gust fasst zusammen: „Wer bei uns Verantwortung übernimmt, hat Gestaltungsspielraum und kann erleben, wie der eigene Einsatz den ASB und die Menschen in Niedersachsen stärkt.“
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Vorstandsarbeit beim ASB in Kürze Ehrenamt mit Verantwortung: Vorstände vertreten den Verband nach außen, entscheiden über Projekte und die strategische Ausrichtung. Teamarbeit: Niemand muss alles allein können, die Aufgaben sind verteilt. Zeitaufwand: je nach Größe des ASB vor Ort unterschiedlich, meist mehrere Stunden pro Monat. Voraussetzungen: Mitgliedschaft im ASB; Bereitschaft, sich einzubringen, strategisch zu denken und Entscheidungen zu treffen. Lohn: Gestaltungsspielraum, Netzwerk, Wertschätzung – und das gute Gefühl, etwas zu bewegen. |
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Text: Tina Düselder
Titelbild: Auch so kann Vorstandsarbeit aussehen: Landesvorsitzender Johannes Gust steht für ein Fernsehinterview vor der Kamera.