ASB Magazin
Dezember 2024
8/16

Gemeinsam stark im Harz 

Ehrenamtliche des ASB Niedersachsen beweisen sich bei Landesübung im Katastrophenschutz

Die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit im Katastrophenschutz zeigt sich besonders in gemeinsamen Übungen, bei denen das Zusammenspiel unterschiedlicher Einheiten auf die Probe gestellt wird. Die Landesübung des ASB Niedersachsen im September war eine eindrucksvolle Demonstration des Engagements aller beteiligten Kräfte. Es war ein Wochenende voller Herausforderungen und neuer Erkenntnisse, verbunden mit dem starken Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein, die im Ernstfall zusammenhält. Mit Unterstützung durch den ASB Berlin und den ASB Salzlandkreis stellten die mehr als 300 überwiegend ehrenamtlichen Einsatzkräfte und Verletztendarstellerinnen und -darsteller aus ganz Niedersachsen ihr Können in drei Szenarien unter Beweis: ein Massenanfall von Verletzten (MANV) bei einem Tribüneneinsturz an der Rennbahn in Bad Harzburg, ein Gefahrstoffaustritt in einem Industriebetrieb in Goslar und eine komplexe Personensuche am Okerstausee, bei der eine durch einen fiktiven Waldbrand eingekesselte Gruppe von Wanderern über den Wasserweg gerettet werden musste. Die Übung diente auch als Stresstest für die Zusammenarbeit zwischen Ehren- und Hauptamtlichen sowie den einzelnen ASB-Gliederungen. Das erforderte nicht nur Flexibilität, sondern auch Ausdauer, da sich die Szenarien über mehrere Stunden erstreckten. „Es geht nicht darum, dass alles reibungslos klappt – sondern darum, dass wir uns stetig verbessern. Wenn Plan A nicht funktioniert, muss schnell ein Plan B her – oder wir erfinden einfach einen neuen“, sagt Johannes Gust, Vorstandsvorsitzender des ASB Niedersachsen, mit einem Lächeln. Er ergänzt: „Die Einsatzbereitschaft unserer Ehrenamtlichen ist beeindruckend. Ich danke allen, die an der Übung teilgenommen oder diese unterstützt haben.“ Im Interview geben uns die Ehrenamtlichen Marlene Coers und Julian Jeroschewski (beide ASB-Regionalverband Niedersachsen West) einen persönlichen Einblick in ihre Erlebnisse und Motivation. 


Interview: Tina Düselder 

ASB

Vielen Dank, dass ihr euch Zeit für dieses Gespräch nehmt! Seit wann seid ihr beim ASB aktiv?

Julian

Ich bin selbst immer wieder überrascht, aber ich bin schon seit gut 17 Jahren dabei.

 

Marlene

Bei mir sind es jetzt fünf Jahre. 

ASB

Was hat euch dazu bewegt, euch im Katastrophenschutz zu engagieren?

Julian

Mich begleitet das Engagement für die Gesellschaft schon seit meiner Jugend. Der Katastrophenschutz gibt mir die Möglichkeit, mich direkt für meine Mitmenschen einzusetzen und gleichzeitig in einem breiten Themenfeld tätig zu sein, das mich interessiert.

Marlene

Für mich ist es die Kombination aus Sinnhaftigkeit und Abwechslung zum Berufsalltag. Menschen in Not zu helfen und dabei meine Fähigkeiten zu nutzen, das gibt mir ein erfüllendes Gefühl. Ich lerne immer wieder neue Dinge und erlebe Abenteuer.

ASB

Wie war eure Erfahrung bei der Landesübung 2024? Gab es besondere Momente?

Marlene

Die Übung war großartig, um das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Besonders schön fand ich, dass die Zeit davor und danach genutzt werden konnte, um Freundschaften zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen.

Julian

Mein persönliches Highlight war die schnelle und reibungslose Zusammenarbeit in unserer Teileinheit – das hat einfach perfekt funktioniert.

ASB

Gab es denn auch Herausforderungen, denen ihr euch stellen musstet?

Julian

Ja. Eine der größten Herausforderungen war die „Übungskünstlichkeit“, also die Tatsache, dass es eine simulierte Situation ist. Aber dank der guten (Schmink-)Arbeit der AG Maske aus Berlin wurde alles realistischer. 

Marlene

Für mich war die größte Herausforderung die Kategorisierung von Patienten. Während einer Katastrophe kann nicht jeder gerettet werden. Das ist schwer zu akzeptieren.

ASB

Wie habt ihr die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen den Teams empfunden?

Julian

Die Zusammenarbeit war super. Nach der üblichen anfänglichen Chaosphase hat sich am Ende gezeigt, dass die Teams sehr gut miteinander kompatibel sind.

Marlene

Genau, jeder konnte seine Stärken einbringen, und es hat auch zwischen Ehrenamt und Hauptamt sehr gut funktioniert.

ASB

Welche Erkenntnisse nehmt ihr persönlich mit?

Marlene

Dass Freude und Spaß an der Sache unglaublich wichtig sind. Ich habe gelernt, auf meine Fähigkeiten zu vertrauen, denn sie sind in Krisensituationen entscheidend.

Julian

Ich nehme mit, dass auch in chaotischen Situationen alles irgendwie zusammenkommt und funktioniert – strukturiertes Chaos eben.

ASB

Wie beeinflusst das Ehrenamt euer persönliches und berufliches Leben?

Julian

Ganz persönlich bringt mir das Ehrenamt jede Menge – von Selbstentwicklung über neue Kompetenzen bis hin zur Gemeinschaft. Das Ehrenamt hat mich darin bestärkt, dass es in unserer Gesellschaft viele Menschen gibt, die aktiv helfen wollen.

Marlene

Für mich ist das Ehrenamt eine Win-win-Situation. Was ich hier lerne, ist auch beruflich hilfreich, und meine Softskills, zum Beispiel Teamfähigkeit, haben sich verbessert.

ASB

Abschließend: Würdet ihr anderen empfehlen, sich im Katastrophenschutz zu engagieren?

Julian

Klar! Man bekommt so viel zurück, sei es persönlich oder durch die Gemeinschaft. Wer sich unsicher ist, sollte einfach mal vorbeischauen und sehen, was das Ehrenamt einem alles bietet.

Marlene

Definitiv! Jeder kann in der Not helfen, und es macht einfach Spaß, sich gemeinsam mit anderen neues Wissen anzueignen und dieses in Übungen oder gar im Ernstfall anwenden zu können.